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Third World
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Herr der sanften Töne
Spielen gehört hat ihn fast jeder schon mal. Jedoch nur die allerwenigsten
kennen auch seinen Namen. Das könnte sich nun ändern. Der Gitarrist Dominic
Miller, Stings "rechte Hand", befindet sich nämlich auch mit Soloprojekten
auf dem Vormarsch.
Die Liste derjenigen, mit denen Dominic Miller bereits gespielt hat, ist
schier endlos lang und sie liest sich wie ein Who is Who der Popbranche. Sie
reicht von Rod Stewart und Tina Turner über Youssou N´Dour und Khadja Nin
bis zu den Chieftains und den Backstreet Boys. Eine besonders enge,
freundschaftliche Beziehung verbindet der Gitarrist mit Sting, zu dessen
"Working Band" er bereits 1990 stieß. Seither haben die beiden Musiker bei
jeder CD-Produktion zusammengearbeitet und so manche Tournee gemeinsam
bestritten. Zusammen mit Sting hat er auch einen seiner größten Hits, den
Song "Shapes of My Heart", (vom Album "Ten Summoner´s Tales") geschrieben.
Kein Wunder also, dass Sting selbst ihn als seine "rechte Hand" bezeichnet.
Dominic Miller wurde in Buenos Aires (Argentinien) als Sohn eines
amerikanischen Vaters und einer irischen Mutter geboren. Seine Kindheit
verbrachte er unter dem Einfluss lateinamerikanischer Rhythmen in
Argentinien, bevor er dann als Teenager zwischen den USA und England hin und
her zog, um im Alter von 19 Jahren in London sesshaft zu werden. Zum
Gitarrespiel kam er verhältnismäßig spät - dank seiner älteren Schwester,
die ihm die ersten Griffe beibrachte. Sein Aufenthalt an der renommierten
London´s Guildhall School of Music (zu seinen Jahrgangsgenossen zählte
übrigens der Geiger Nigel Kennedy) war eher von kurzer Dauer. Der
akademische Ansatz war ihm schlicht "zu trocken" und so wandte sich Miller
dem Session-Spiel zu.
Noch heute spielt er mit seinen Kollegen Pino Palladino am Bass und Manu
Katche am Schlagzeug in einer Formation mit Namen "The Tweeters". Eigentlich
verblüfft es, dass Miller überhaupt noch Zeit für eigene Projekte findet.
Doch der umtriebige Gitarrenvirtuose überwindet nun mal liebend gerne und
spielend leicht die Grenzen von Musikgattungen, wovon gleich zwei Alben
zeugen, die seit kurzem in Deutschland auf dem Markt sind.
Kein geringerer als Sting war es, der Dominic Miller zu seinem
Crossover-Album "Shapes" (Universal Music/Decca) inspiriert hat, indem er
ihm vor der "Brand New Day"-Tour ein Buch mit Partitas und Sonaten von Bach
schenkte. Der Gitarrist war von den Kompositionen derart fasziniert, dass er
sie für sein Instrument übertrug, während der fast zweijährigen Tour-Strecke
rauf und runter spielte und dabei seine Technik verfeinerte. Als die
Konzertreisen sich dem Ende zuneigten, begann Miller erste Demo-Tapes für
sein neues Album aufzunehmen. Eher zufällig spielt er während einer Session
dem Produzenten Nick Patrick auch eines seiner Bach-Stücke vor. Der war
davon so angetan, dass er beschloss, mit ihm eben auch jenes Album mit
Bearbeitungen klassischer Musik einzuspielen. Neben Dominic Miller als
Solist mit Nick Ingmans modernisierten Saiten-Arrangements einiger Werke von
Bach, Albinoni, Beethoven geben sich Starsänger Placido Domingo, Alejandro
Lerner und Sting sowie die nicht minder bekannten Instrumentalisten Chris
Botti, Jason Rebello und Pino Palladino die Klinke in die Hand. Die Platte
ist zwar ganz nett anzuhören, Klassik-Liebhabern allerdings nicht unbedingt
anzuraten – dafür sind die Bearbeitungen schlichtweg zu einfach strukturiert
und Spiel und Gesang, trotz aller Vortragskunst, zu wohlklingend und glatt.
Für Menschen jedoch, die gefällige Musik zum Wohlfühlen und Entspannen
suchen, ist "Shapes" allemal ein Volltreffer. Auch als Einstieg für
diejenigen, die mit Klassik nichts oder wenig anzufangen wissen, ist diese
CD gut geeignet.
Freunden sanfter Jazz-Musik hingegen sei "Third World" (Q-rious Music)
wärmstens zu empfehlen. Diese Produktion der leisen Töne wartet auf mit
einer ganzen Reihe fein gesponnener Kompositionen zwischen Jazz, Latin und
Pop. Dominic Millers graziles Spiel passt perfekt zu den
melodisch-harmonischen Arrangements voller innerer Ruhe und Ausgewogenheit.
Auffällig, dass Miller offenbar zu jener leider raren Gattung von Musikern
gehört, die ihr Spiel dem Zweck unterordnen und nicht permanent und um jeden
Preis ihre Virtuosität präsentieren wollen.
Während Stings aktueller "Sacred Love" - Tournee kann man Dominic Miller in
Berlin, Köln und München gleich doppelt erleben. Zunächst mit Sting in den
Open-Air-Konzerten und anschließend im kleineren Rahmen mit einigen
musikalischen Freunden in kleinen, aber feinen Jazz- und Musikclubs. In
Berlin beispielsweise wird Miller mit Sting morgen Abend zuerst in der
Waldbühne aufspielen. Danach kommt der Gitarrist gemeinsam mit Neil Stacey
(G), Rhani Krija (Perc) und Mike Lindup (P) in den Jazz Club A-Trane, um
dort seine beiden letzten Alben vorzustellen.
Maciej Berlin
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kulturkueche (Germany) |
June 2004
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